Die Delegation der Volksbank vor der Jahrhunderthalle in Höchst

Pressebericht aus dem Schlitzer Boten

Volksbank Lauterbach-Schlitz hatte eingeladen

Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken 2013 / Europa, Euro und die Energie

Auf eine lange Tradition kann der Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken, die größte Veranstaltung dieser Art in Deutschland, in der Frankfurter Jahrhunderthalle zurückblicken, genauso wie die Volksbank Lauterbach-Schlitz traditionell auf den Besuch des Wirtschaftstages zurückblicken kann.

Und so war es am Mittwoch erneut eine Selbstverständlichkeit, dass ein moderner Bus mit mehr als 50 Interessierten, Bankkunden und Mitarbeitern, von der Lauterbacher Bleiche in Richtung Frankfurt startete. Weitere Besucher aus dem Einzugsgebiet der Bank waren mit ihren eigenen Fahrzeugen nach Frankfurt gefahren, um gemeinsam dieses Ereignis mit weit mehr als 2500 Personen zu erleben. Im Grunde genommen hätte dieser Wirtschftstag für die in Berlin zusammen sitzenden Politiker eine Pflichtveranstaltung sein müssen, die ihnen mit den Themen „Europa, Euro und die Energie“ so manche bei den Koalitionsverhandlungen im Weg stehende Hürde, hätte wegräumen können.

Michael Bockelmann, der Präsident des Genossenschaftsverbandes, sagte nach seinen Begrüßungsworten: Europa ist kein „Staaten-Konzern“, keine politische Holding, sondern eine Wertegemeinschaft und eine Voraussetzung für Frieden und Wohlstand. Offene Grenzen und Kooperationen sind wichtige Voraussetzungen für den wirtschaftlichen Erfolg.

Gerade Deutschland – und nicht zuletzt der deutsche Mittelstand – profitiert von Europa. Im letzten Jahr gingen fast 69 Prozent unserer Exporte in europäische Staaten, davon 37,5 Prozent in die Länder der Euro-Zone, während nur 6,1 Prozent nach China gegangen sind.

Die Politik müsse für die entsprechenden Rahmenbedingungen sorgen. Es sei an der Zeit, dass die neue Regierung wichtige Weichenstellungen vornehme. Es werde eine zentrale Aufgabe sein, ein besseres Investitionsklima und verlässliche Planungsgrundlagen zu schaffen. Die Finanzierung zusätzlicher staatlicher Ausgaben sollte nicht durch Steuererhöhungen oder über höhere Sozialabgaben erfolgen.

Eine große Koalition mit einer Mehrheit von 80% müsse die Kraft haben, sich mit der Steuergesetzgebung substanziell zu beschäftigen und sollte einen großen Wurf wagen.

Die Bekämpfung von Steuerhinterziehung und die Schaffung von Rechtssicherheit durch Steuervereinfachung sollten die Zielsetzungen sein. Von einer solchen soliden Politik in Deutschland werde auch ganz Europa profitieren, wie auch Deutschland von einer soliden Politik auf europäischer Ebene profitieren werde.

Schleichende Inflation befürchtet Bundesbankpräsident Dr. Jens Weidmann ging in seinen Ausführungen auf die aktuellen Lage in der Euro-Zone und die erneute Senkung der Leitzinsen. Er könne die Sorgen der deutschen Sparer, die über eine „schleichende Enteignung“ infolge der niedrigen Zinsen klagten, durchaus verstehen. Deshalb dürften negative Realzinsen kein Dauerzustand werden. Er rechne nicht mit einem Deflationsszenario.

Das zweite zentrale Thema des Wirtschaftstags war die künftige Energiepolitik. EU-Energiekommissar Dr. Günther Oettinger äußerte die Sorge, die Energiepreise in Deutschland gefährdeten zunehmend die industriellen Arbeitsplätze. Die deutschen Strompreise gehörten zu den höchsten der Welt.

Sorgen um den Industriestandort Deutschland

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, äußerte sich enttäuscht zu den laufenden Koalitionsverhandlungen in Berlin: „Ich mache mir Sorgen um den Industriestandort Deutschland. Wir machen derzeit die Rolle rückwärts“. Grillo forderte, den Prozess der De-Industrialisierung in Europa zu stoppen und einen Prozess der Re-Industrialisierung anzustoßen.

Handys als Abhörgeräte

Die Ausspähungen durch den US-Geheimdienst NSA und andere ausländische Dienste, die nicht einmal vor dem Handy der Bundeskanzlerin Halt machten, bestimmten eine aktuelle Gesprächsrunde auf dem Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken: Spionage im Internet –Gefahr für deutsche Unternehmen?

Das Abhören von Partnern ist ein Tabu-Bruch“, kritisierte Dr. Hans-Georg Maaßen, Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Dadurch seien die Menschen allerdings sensibler bei ihrer Kommunikation geworden. Trotzdem müssten Sicherheit und Wirtschaft dringend stärker zusammenwachsen.

„Handys abzuhören ist kinderleicht“, sagte Dr. Karsten Nohl, Gründer und Chief Scientist der Security Research Labs GmbH. Handys könnten zu Abhörgeräten umfunktioniert werden, warnte der Unternehmensberater, und er empfahl Unternehmen eine gezielte Datenwertanalyse. „Es geht nicht darum, die Daten nach dem Gießkannenprinzip zu schützen. Analysieren Sie, mit welchen Daten ein Cyber-Krimineller reich werden könnte. Und diese Daten schützen Sie dann besonders“.

Vor allem viele mittelständische Unternehmen seien noch nicht ausreichend für Cyber-Kriminalität sensibilisiert, stellte Professor Dr. Klaus Schweinsberg vom Centrum für Strategie und Höhere Führung fest. Verschlüsselungstechnik allein sei nicht die Lösung: „Auch Verschlüsselungen können wieder entschlüsselt werden“.

„Auto bleibt Statussymbol“

Unternehmerische Strategien für die Beschleunigungsgesellschaft standen im Mittelpunkt einer Gesprächsrunde. Professor Rupert Stadler, Vorstandsvorsitzender der Audi AG, betonte, das Auto werde Statussymbol bleiben und sich maximal vernetzen. „Kein Mensch will eine rollende Verzichtserklärung“. Stadler plädierte dafür, Industriearbeit auch am Standort Deutschland sicherzustellen. Peter Terium, Vorstandsvorsitzender der RWE AG, bezeichnete die Atomkraft als Auslaufmodell. Sein Unternehmen wolle eine wichtige Rolle bei der Energiewende spielen, brauche aber Planungssicherheit. „Wir können zweimal so viele Photovoltaik-Anlagen auf die Dächer packen – aber das ändert nichts daran, dass nachts die Sonne nicht scheint“, sagte Terium. Die Gefahr eines Blackouts sehe er kurzfristig nicht. In ein paar Jahren könne dies bei wieder zunehmendem Wirtschaftswachstum in Europa aber anders aussehen.

Besondere Aussagen zum Nachdenken:

Dr. Jens Weidmann: „Geldpolitik muss damit vergleichbar sein, dass der Arzt nur gute Medikamente verordnen darf.“
Dr. Karsten Nohl: „Wer sein Handy in einer Sitzung mitnimmt, kann sich auch gleich mit NSA in Verbindung setzen“. Lauschen unter Freunden sei ein Tabubruch
Dr. Maaßen: Snowdon ist der größte Datenschnüffler und –plünderer der amerikanischen Geschichte- ein Innentäter.
Günther Öttinger: „Solange in Deutschland Scheunen gebaut werden, wo oben kein Heu mehr drin ist und unten keine Kühe mehr stehen, sind wir nicht auf dem richtigen Weg“.
Sandra Maischberger: „Wir Deutsche schenken den am Tag überschüssigen Strom aus den Solaranlagen den Österreichern, diese speichern ihn und verkaufen ihn nachts an Deutschland“.

Ein allgemeines Fazit: Es muss was geschehen, aber es darf nichts geschehen.

Nicht nur der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, Norbert Lautenschläger, war während der Heimfahrt der Meinung, einen besonders interessanten und kurzweiligen Wirtschaftstag erlebt zu haben.

Er zeigte sich auch erfreut, dass in den Programmpausen die Gelegenheit genutzt worden sei, mit den mitgereisten Ressortschefs wichtige Gespräche zu führen und gab der Hoffnung Ausdruck, dass dieser Teilnahme am Wirtschaftstag künftig weitere folgen werden.