Pressetext aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 19.03.2013

Inspiriert von Korsika, dem Land der Menhire

Eröffnung der Ausstellung von Dr. Heide Küchler in der Volksbank in Lauterbach – Grundlagen der Megalith-Kultur

Alexander Schagerl eröffnete in der Schalterhalle der Volksbank Lauterbach-Schlitz eine außergewöhnliche Ausstellung der Malerin Dr. Heide Küchler aus Allmenrod zum Thema „Korsika, das Land der Menhire, die Wiege der Bewusstseinsseele“, die in weiten Teilen zu einer hochwissenschaftlichen Vorlesung in Sachen Humanismus wurde.

Schagerl begrüßte neben der Künstlerin und Ihrem Ehemann Willy Spengler auch den Laudator Florian Hill, Leiter des Hauses „Wildgänse“ in Brauerschwend, in dem Heide Küchler seit 2007 als Justiziarin und Maltherapeutin tätig ist. Ihr beruflicher Werdegang ging aber zunächst in eine andere Richtung: Nach dem Studium der Rechtswissenschaften war sie 30 Jahre als Professorin für die Fächer Sozial- und Betäubungsmittelrecht sowie für die Berufsfelder und Methoden der Sozialen Arbeit an der Fachhochschule Frankfurt tätig. Auf der Suche nach einer neuen beruflichen Perspektive wurde sie in der Jugendhilfeeinrichtung „Wildgänse“ fündig. Sie ließ sich vorzeitig pensionieren, weil die in Aussicht stehende Bachelorisierung ihr die Grundlagen ihrer Arbeit mit den Studenten nahm, wie sie erklärte. Sie befürchtete eine Verschulung durch diese Neuerung, denn der bisherige geistig-freie Raum für gesellschaftlich relevante Themen werde durch eine enge Vorgabe von Lerninhalten genommen. Außerdem werde das humanistische Bildungsideal von Humboldt vollends vom Tisch gewischt, indem nicht mehr die Vermittlung von Sachinhalten, sondern eine reine Wissensvermittlung im Bachelorstudiengang gewollt sei.

Innerhalb von fünf Jahren schaffte sie es mit Hilfe einer weiteren Mitarbeiterin, so Florian Hill, bei Stiftungen und privaten Spendern so viele Gelder zu „erbetteln“, dass nicht nur die Einrichtung einer Holzwerkstatt möglich wurde, sondern auch die Ausstattung eines großen Lehrraums für schulvorbereitende Maßnahmen. Ferner wurden Freizeit und Sportgeräte sowie ein komfortables Atelier angeschafft und eingerichtet. „Die Jugendlichen sind für Heide Küchler ernstzunehmende Individuen, deren Entwicklung zur wachsenden Selbstständigkeit sie unermüdlich anstößt. Zum anderen zeigt sie in der maltherapeutischen Arbeit ein großes Maß an Phantasie und Einfühlungsvermögen. Die Arbeiten mit den Jugendlichen betreffen Themen wie Rauscherlebnisse, Einsamkeit, Lebensschmerz, Angst, aber auch Sehnsucht nach Harmonie und Zweisamkeit.“

Bevor Heide Küchler auf die Ausstellung einging, erläuterte sie zunächst den Begriff „Bewusstseinsseele“, der den Reifegrad der seelisch-geistigen Entwicklung bezeichne, den wir nach Ansicht verschiedener Philosophen und Geisteswissenschaftler erreichen können. „Sie ermöglicht die Einsicht in die grundlegenden Ideen des Humanismus. Die Bewusstseinsseele hat klare Einsichten nach außen und nach innen und kann über den Prozess des Verzeihens eine neue Grundlage für das Zusammenleben untereinander schaffen.“ Küchlers malerische Arbeiten kennzeichnen drei Elemente: Die Vermittlung des Wesens und der Besonderheiten der Farben, die sich daraus ergebenden Formen und Techniken, angelegt in der speziellen Aquarellsichttechnik von William Turner und die Vermittlung von Inhalten der beliebig und rein subjektiv begründeten Malerei wie sie Beuys gezeigt hat, der von seinen Werken auch von „Denkformen“ spricht.

„Korsika ist ein wunderschönes Urlaubsland mit vielen Naturschönheiten“, erklärte Heide Küchler, die im Laufe der Jahre tiefe Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Insel bekommen habe. Das Ehepaar stieß in Korsika auf die kunsthistorische Forschungsarbeit von Adalbert Graf von Keyserelingk, einem deutschen Arzt, der 30 Jahre lang die archäologischen und geisteswissenschaftlichen Grundlagen, der etwa 4500 Jahre alten Megalith-Kultur, „das Ineinanderwirken von Mensch und Natur und Kosmos, das Erleben der Erde als Organismus und deren Bedeutung für unsere gegenwärtige mitteleuropäische Zeit erarbeitete“.

Heide Küchler erklärte: Die Menschen der Megalith-Kultur erlebten in ihren Kultstätten die verschiedenen Sternenwirksamkeiten. Sie waren die Ergebnisse ihrer intuitiven althellsichtigen Zwiesprache mit den Sternen, schlugen sie in Stein als Visionen einer geistreichen Zukunft der Erde und der Menschen. Von Keyserelingk fand eine Vielzahl von Kultstätten in Korsika, jeweils bezogen auf verschiedene Planetenwirksamkeiten.

Ihre auf Aquarellpapier gemalten Bilder sind als Erinnerung an diese Kultur zu verstehen. „Sie versuchen den Prozess der Selbstbewusstwerdung in unterschiedlichen Ausprägungen zu skizzieren“, erklärt die Künstlerin. Ihre Themen sind unter anderem das Aufgreifen des Menhire-Themas (Menhire sind eine Art Hinkelstein) als Erinnerung und Mahnung an unsere wesentliche Zeitaufgabe, das „Erkenne-Dich-Selbst“-Thema, das Thema der Angst und Verzweiflung als Folge der Selbstbewusstwerdung sowie das Thema „Wer bin ich jenseits der Familienbande?“.

Musikalisch begleitet wurde die Vernissage von Peter MC Aven (Gitarre) und Berthold Möller (Schlagzeug).