Mit ca. 60 Kunden und Unternehmern war die Volksbank Lauterbach-Schlitz beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in der Jahrhunderthalle in Höchst vertreten.

Pressetext aus dem Schlitzer Boten vom 09.11.2015

„Die Dampfmaschine des Denkens“

Vogelsberger Bankenvertreter und Unternehmen beim Wirtschaftstag in Frankfurt

Der Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken hat die Erwartungen der heimischen Teilnehmer wieder voll erfüllt. Die Veranstaltung gibt den Blick über den eigenen Tellerrand preis oder, wie es Sascha Lob, Strategieberater und Journalist aus Berlin, sagte, der Wirtschaftstag ist zur Dampfmaschine des Denkens und Handelns in der digitalen Welt geworden.

Über 2500 Mittelständler aus der gesamten Rhein-Main-Region, darunter auch wieder die Volksbank Lauterbach-Schlitz mit rund 60 Teilnehmern, die VR Bank HessenLand und die Raiffeisen Kirtorf, waren zum Wirtschaftstag gekommen.

Auf der Einladung zum Wirtschaftstag war noch VW-Chef Professor Dr. Martin Winterkorn angekündigt worden. Der kam nicht nach den Ereignissen der vergangenen Wochen, stattdessen trat mit Niki Lauda ein dreimaliger Formel-1-Weltmeister, Pilot und Unternehmer auf die Bühne der Jahrhunderthalle in Frankfurt. Er referierte über „Denkanstöße“. Das Motto lautete „Wohlstand– Freiheit – Sicherheit: Szenarien für eine Welt im Umbruch“. EU-Präsident Jean-Claude Juncker, der bereits zum dritten Mal am Wirtschaftstag teilnahm, skizzierte zu Beginn die Leitlinien für ein Europa im Wandel. Verbandspräsident Michael Bockelmann hatte in seiner Begrüßung erklärt, dass bei einem Umbruch dafür Sorge zu tragen sei, dass die Werte als Grundpfeiler erhalten bleiben.

Die Unternehmer erlebten Umbrüche, die Politik, Wirtschaft und Gesellschaft müssen Veränderungen managen. Aber: Eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung der EU wird seitens der VR Banken nicht unterstützt, sagte Bockelmann. 97,8 Prozent der Banken seien gegen eine Vergemeinschaftung. Der Vorschlag, dass die Volksbanken, Raiffeisenbanken und Sparkassen von der Vergemeinschaftung ausgenommen werden sollen, „finden wir gut“, erklärte Bockelmann.

Es gibt keine Ausnahmen, war hingegen dem Vortrag von EU-Präsident Juncker zu entnehmen. Und trotzdem: „Erleichterungen sind angedacht. Wir leiten einen Prozess ein, der Volksbanken nicht zusätzlich belastet.“ Wie das aussehen kann, konnte Juncker noch nicht im Detail erklären. Der EU-Präsident wies beim Thema „Leitlinien für Europa im Wandel“ auf das europäische Investitionsprogramm mit 25 Milliarden Euro hin. Wachstum und Arbeit müssten im Fokus stehen. Ein europäischer Energie-Binnenmarkt sei erforderlich vor dem Hintergrund, dass Europa für 400 Milliarden Euro Energie von außen bekomme.

Auf das Flüchtlingsthema eingehend, sagte Juncker wörtlich: „Ich stehe zu Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrem politisch-humanitären Handeln in dieser Grundsatzfrage für Europa.“ Es mangele an Solidarität. „Ich hätte es mir nicht vorstellen können, dass einige osteuropäische Länder so schnell vergessen, wie sie in die europäische Gemeinschaft gekommen sind.“

Juncker lobte die Hilfsbereitschaft der Zivilgesellschaft in Deutschland, eine grandiose deutsche Leistung. Aber andere müssten auch mitmachen, nicht alleine Schweden, Österreich und Deutschland könnten Flüchtlinge aufnehmen. Europa ist eine Wertegemeinschaft. „Wir haben auf mehreren Gipfeln Beschlüsse gefasst. Aber einige interessiert das nicht“, so Juncker. Deutschland und Merkel seien nicht isoliert in Europa. Deutschland nehme seine politische Verantwortung für Europa wahr. Das tun andere nicht, sagte er auf die Nachfragen von Moderatorin Sandra Maischberger.

„Wie sichern wir unseren Wohlstand?“: Kontrovers diskutiert wurde beim Politik-Talk zwischen Dr. Thomas Schäfer (CDU), dem hessischen Finanzminister, und Dr. Sahra Wagenknecht, der Fraktionsvorsitzenden der Linken im Bundestag. Wohlstand lasse sich nur durch Qualität und gute Arbeit sichern, dazu zählten auch „gute Löhne“, sagte Wagenknecht. Innovation müsse unterstützt werden, so müsse auch der Gründungsunternehmer besser unterstützt werden. Finanzminister Schäfer plädierte für eine Agenda 2020, um den Wohlstand zu sichern. „Dazu brauchen wir Perspektiven.“ Die Rente mit 67 sei eher die Untergrenze für die Aufrechterhaltung von Wohlstand in der Zukunft.

Im zweiten Teil des Wirtschaftstages ging es um den Wert der Meinungsfreiheit. Das Schlussreferat hielt Niki Lauda. Dazu ließ er den neuesten Mercedes-Benz-Boliden der Formel 1 auf der Bühne vorfahren und erklärte Details des hochkomplizierten Systems. Sein Credo: Ohne Mercedes kann die Formel 1 nicht fahren. Der dreimalige Weltmeister, Pilot und Airline-Unternehmer berichtete, wie er dank eines Kredits in die Formel 1 einstieg und gab interessante Einblicke in das Formel 1-Management.

Udo van Kampen und Sandra Maischberger moderierten in der gewohnt souveränen Form und entlockten den Referenten manch Unbekanntes.

Das mehrfach preisgekrönte Schattentheater „Mobilès“ begeisterte das Publikum mit seiner Darbietung.