Die Volksbank-Verantwortlichen sehen sich für schwierige Zeiten gut gerüstet (von rechts): Volksbank-Chef Norbert Lautenschläger, Kerstin Novy, zuständig für Marketing und Vertriebsmanagement, und Volksbank-Vorstand Alexander Schagerl. Bild: Kempf

Pressebericht aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 16.01.2015

Gut gerüstet für "spannende Zeiten"

LAUTERBACH - (cke). Die Volksbank Lauterbach-Schlitz behauptet sich in einem für Banken schwierigen Marktumfeld und sieht „aus einer gut aufgestellten Position spannenden Zeiten entgegen“. Dieses Resümee zogen die Volksbank-Vorstände Norbert Lautenschläger und Alexander Schagerl gestern bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2014. Die Bilanzsumme erhöhte sich von 434 Millionen Euro (im Jahr 2013) auf 491 Millionen Euro. Die Dividende soll sich nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat auf sechs Prozent belaufen. Der Gewinn liegt mit 1,3 Millionen Euro leicht über dem Vorjahresniveau.

Schönreden wollten die beiden Banker die Prognose für das vor ihnen liegende Jahr dennoch nicht: „Wir werden in der Realität der Niedrigzinszeit ankommen und Ertragseinbußen zu verkraften haben“, sagte Schagerl und Lautenschläger prognostizierte einen Rückgang des Zinsgewinns im hohen sechsstelligen Bereich für sein Unternehmen. Das Zinsniveau werde viele kleinere Volksbanken und Sparkassen in ihrer Existenz bedrohen. Sein Haus werde weiterhin mit anderen Banken kooperieren, um erfolgreich zu agieren, eine Fusion sei aktuell kein Thema, so Lautenschläger: „Da würden wir uns nur verschlechtern.“ Positive Signale auch für das Bankengeschäft erhofft er sich von der Lauterbacher Unternehmerinitiative, eine Außenstelle der Technischen Hochschule Mittelhessen in Lauterbach anzusiedeln, an der sich die Volksbank beteiligt. „Investitionen in unserer eher strukturschwachen Region sind existenziell. Das Kreditgeschäft muss wachsen.“

Einige „Highlights“ des vergangenen Jahres skizzierte Volksbank-Vorstandsvorsitzender Norbert Lautenschläger, bevor er sich mit Schagerl der Geschäftsentwicklung widmete. Er erinnerte an Kundenveranstaltungen und Termine, bei denen die Volksbank ihre Verbundenheit mit den Menschen in der Region dokumentiert hatte.

„Im November 2009 hat sich unsere Volksbank, als erste Bank in Deutschland, die Service- und Beratungsqualität im Privat- und im Firmenkundengeschäft durch den TÜV Rheinland zertifizieren lassen. Nach der bestandenen Re-Zertifizierung 2012 haben wir auch im Berichtsjahr das Zertifizierungs-Audit erfolgreich gemeistert“, freute sich Lautenschläger, der zudem das ehrgeizige Ziel formulierte: „Wir wollen die Nummer eins für Privat- und Firmenkunden im Vogelsberg sein.“ Noch habe die Volksbank einen Marktanteil „knapp hinter der Sparkasse, aber wir holen auf“.

„Gute Mannschaft“

Garant des Erfolges sei auch „die gute Mannschaft“. Voll integriert seien die Auszubildenden, jährlich stelle die Volksbank drei bis vier ein, die sie als Fachkräfte für die Zukunft brauche. Berufsbegleitende Weiterbildungen seien nach Ausbildungsende für alle Nachwuchskräfte selbstverständlich. Ende 2014 waren insgesamt 94 Mitarbeiter beschäftigt, darunter zehn Auszubildende. „Unsere Ausbildungsquote liegt mit rund zehn Prozent im Vergleich zu anderen Banken weit über dem Durchschnitt“, betonte Schagerl.

Aktuell hat die Volksbank 8 672 Mitglieder – 231 mehr als 2013 – mit einem Geschäftsguthaben von 3,1 Millionen Euro. Die Volksbank unterhält neun stationäre Geschäftsstellen und eine SB-Stelle. Schließungen seien aktuell keine geplant, sagte Lautenschläger. Dennoch: „Grundsätzlich stehen immer alle Geschäftsstellen auf dem Prüfstand. Letztendlich entscheiden die Kunden über den Erhalt durch ihre Nutzung.“ Mit der Eröffnung einer neuen Geschäftsstelle in Angersbach sowie der personellen Aufstockung verspricht sich die Volksbank „einen Schub“ für den Wartenberger Markt.

In der Internetfiliale wurden zum Jahresende 5 751 Konten (ein Plus von 2,75 Prozent) mit einem Anlagevolumen von 57,6 Millionen Euro (plus 6,25 Prozent) geführt. „Mit der Entwicklung dieses Vertriebskanals sind wir sehr zufrieden. Unsere Kunden schätzen unseren Multi-Kanal-Vertrieb sehr. Das schnelle Internet-Geschäft, oder auch die kompetente, individuelle Beratung werden gerne in Anspruch genommen“, sagte Lautenschläger

Die Eigenkapitalausstattung der Bank sei weiterhin gut. Das bilanzielle Eigenkapital werde sich, unter der Annahme der Zustimmung der Vertreterversammlung zum Gewinnverwendungsvorschlag, auf voraussichtlich 50 Millionen Euro unter Berücksichtigung des Fonds für allgemeine Bankrisiken erhöhen. „Die Vorschriften der Bankenaufsicht zur Eigenkapitalausstattung der Banken werden uns weiter belasten. Die Stärkung des Eigenkapitals wird auch für unser Haus weiterhin ein Thema sein.“

Die Liquidität sei im Geschäftsjahr jederzeit gewährleistet gewesen. Bei den bankeigenen Geldanlagen sei, neben einer ausgewogenen Fälligkeitsstruktur und einer angemessenen Rentabilität, ein großes Augenmerk auf Sicherheit gelegt worden. Die bankeigenen Anlagen betrugen zum Jahresende 282 Millionen Euro.

Höhere Kundeneinlagen

Auch mit der Entwicklung der Kundeneinlagen zeigten sich die Banker trotz schwieriger Wettbewerbssituation zufrieden, die im Vergleich zum Vorjahr um 24 Millionen Euro auf 328 Millionen Euro anstiegen. Das Kreditvolumen hat sich auf rund 190 Millionen Euro erhöht. „Das gewerbliche Kreditgeschäft verlief sehr positiv. Eine Kreditklemme hat es bei unserem Mittelstand nicht gegeben“, so das Fazit des Volksbank-Vorstandes. Auch das private Kreditgeschäft, vornehmlich die privaten Baufinanzierungen, hätten zugenommen. „Grund hierfür waren einerseits die weiterhin günstigen Marktkonditionen sowie vielfältige Vertriebsaktivitäten unserer Mitarbeiter.“ Insgesamt wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 596 Kreditanträge mit einem Volumen von 63,5 Millionen Euro bearbeitet. 522 Bausparverträge mit einer Summe von 14,2 Millionen Euro wurden zudem abgeschlossen.

„Auch im Versicherungsgeschäft können wir eine Zielerreichung vermelden. Mit unserem Wertpapiergeschäft sind wir zufrieden. Kapitalgarantierte Anlagen wurden von unseren Kunden präferiert. Unser Investmentgeschäft mit unserem Kooperationspartner Union Investment hat sich sehr positiv entwickelt“, sagte Schagerl und bilanzierte: „Trotz des äußerst niedrigen Zinsniveaus und weiter sinkender Margen im Kundengeschäft, haben wir ein leicht steigendes Zinsergebnis erwirtschaften können.“ Bei in etwa gleichbleibenden Kostenstrukturen sei das Jahresergebnis geringfügig gestiegen. „Wir werden einen Gewinn in Höhe von rund 1,3 Millionen Euro ausweisen können. Mit einer cost-income-ratio in Höhe von 49 Prozent nehmen wir einen hervorragenden Platz in der Bankenbranche ein“, so Schagerl. Dies bedeute, dass die Volksbank 49 Cent aufwende, um einen Euro zu verdienen.

Trotz des schwierigen Marktumfelds blicken die Volksbank-Vorstände insgesamt positiv in die Zukunft: „Bei unseren Planungen für das Geschäftsjahr 2015 gehen wir von weiter wachsenden Marktanteilen aus. Sowohl im bilanziellen Geschäft, wie auch im Dienstleistungsgeschäft wollen wir Steigerungsraten erzielen.“ Die höchstmögliche Kundenorientierung stehe auch in 2015 im Fokus des Handelns. Die Beratungsqualität solle mit neuen technischen Standards nochmals verbessert werden.