Pressebericht vom 16.01.2015 aus der Fuldaer Zeitung

Niedrige Zinsen bereiten große Sorgen

Pessimistischer Ausblick nach positiver Überraschung / Volksbank zieht Bilanz

Ob die Antwort von Norbert Lautenschläger und Alexander Schagerl, den beiden Vorständen der Volksbank Lauterbach-Schlitz, auf eine Frage positiv oder pessimistisch ausfällt, hängt vor allem von einem Faktor ab: Bezieht sich die Frage auf die Vergangenheit oder die Zukunft.

Als Vorstandsvorsitzender Norbert Lautenschläger und Vorstand Alexander Schagerl gestern während einer Pressekonferenz die Bilanz des Jahres 2014 vorlegten, fiel diese rundweg positiv aus. „Wir haben besser abgeschlossen als erwartet. Allerdings mussten wir mehr Geschäft machen, um das gleiche Ergebnis zu erreichen“, erläuterte Lautenschläger und warf gleich einen pessimistischen Blick in die Zukunft: „2015 wird es einen Ertragsrückgang geben. Die anhaltende Niedrigzinsphase können wir nicht länger auffangen.“ Dazu wäre eine weitere Geschäftsausweitung – insbesondere bei den Krediten – notwendig. Dies sei in dem erforderlichen Maß allerdings nicht realistisch, da das Geschäftsgebiet der Volksbank Lauterbach-Schlitz lediglich einen Großteil des Altkreises Lauterbach und damit ein strukturschwaches Gebiet umfasst. Da hilft es auch nichts, dass die Bank seit fünf Jahren ihre Marktanteile ausweitet und „der Sparkasse immer näherkommt“ (Lautenschläger).

„Die Zinsspanne wird um 20 Basispunkte zurückgehen und damit unser Zinsgeschäft um einen hohen sechsstelligen Betrag belasten“, betonen die Banker. Eine Fusion sei derzeit kein Thema, man wolle eigenständig bleiben, „so lange es geht“. Aber: „Wenn das niedrige Zinsniveau so bleibt, wird es in fünf Jahren 30 Prozent weniger Volksbanken und Sparkassen in Deutschland geben.“ Neben Kooperationen in jenen Bereichen, wo der Kunde nichts davon mitbekommt, will die Volksbank Lauterbach-Schlitz „wachsam sein, schlanker werden und die Effizienz verbessern“.

Ein Punkt, der dabei diskutiert werden dürfte, sind die neun Filialen. Lautenschläger: „Ich bin nicht sicher, ob wir Ende 2015 noch alle Geschäftsstellen haben werden. Im Aufsichtsrat diskutieren wir jedes Quartal die Frequenzen.“ Und sein Kollege Schagerl stellt klar: „Der Kunde entscheidet über seine Geschäftsstelle.“

In Wartenberg werden die Dienste der Volksbank offenbar so gut angenommen, dass diese ihre Präsenz weiter ausbaut. Neben der Filiale in Landenhausen gibt es eine in Angersbach. Dort ist seit Oktober mit Dirk Lang ein neuer Geschäftsstellenleiter zu den seitherigen zwei Mitarbeitern hinzu gekommen und ab August 2015 „werden wir in neue Räume einziehen, die in der Ortsmitte an der Bundesstraße liegen. Davon versprechen wir uns einen Schub im Markt Wartenberg“, kündigt der Vorstandsvorsitzende an.

Auch die Aussagen der beiden Bankmanager zum Geschäftsjahr 2014 fallen überwiegend positiv aus: Mit 1,3 Millionen Euro konnte der Bilanzgewinn dank einer auf 491 Millionen Euro gesteigerten Bilanzsumme leicht gesteigert werden. Die Dividende wird wieder bei sechs Prozent liegen, sofern die Vertreterversammlung diesen Vorschlag billigt. Im Übrigen baut die Volksbank auf kompetente Beratung und auf motivierte, selbst ausgebildete Mitarbeiter mit einem starken Hang zur nebenberuflichen Fortbildung. 231 neue Mitglieder zeugen davon, dass dies bei den Kunden ankommt.

In Zahlen

Bilanzsumme: 491 Millionen Euro (2013: 434 Millionen Euro)

Bilanzgewinn: 1,3 Millionen Euro (2013: 1,15 Millionen Euro)

Kundeneinlagen: 328 Millionen Euro (2013: 304 Millionen Euro)

Kreditvolumen: 190 Millionen Euro (2013: 189 Millionen Euro)

Dividende: 6 Prozent (2013: 6 Prozent).

Mitglieder: 8672 (2013: 8668).

Mitarbeiter: 94 (2013: 95), darunter 10 Auszubildende.

Filialen: Lauterbach, Schlitz, Frischborn, Maar, Wallenrod, Herbstein, Angersbach, Landenhausen, Freiensteinau, Engelrod (SB-Automat). / kw