Pressetext aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 05.11.2016

WIRTSCHAFTSTAG Unter den Gästen in Frankfurt waren auch 50 Kunden der Volksbank Lauterbach-Schlitz eG

„Deutschland verändert sich – Perspektiven für den Mittelstand“: Das Motto gab dem Wirtschaftstag der Volksbanken und Raiffeisenbanken die Richtung. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble war in die Frankfurter Jahrhunderthalle gekommen. Der Politiker machte vor den etwa 2500 Mittelständlern deutlich: „Visionen sind dafür da, dass man sie verwirklicht, wenn man dazu eine Chance hat.“ Mit dabei waren auch über 50 Kunden der Volksbank Lauterbach-Schlitz eG.

Nachhaltige Finanzpolitik schaffe Grundlagen für Vertrauen in die Wirtschaft. Aber alles hänge mit den Menschen zusammen. „Die realen Einkommen sind stärker gestiegen, aber wir haben auch Probleme, die wir nicht unter den Tisch kehren können. Wir waren in der Lage, auf die Herausforderungen der Flüchtlingssituation einzugehen. Nachhaltigkeit schafft Handlungsräume für Visionen. Und genau diese Visionen müssen wir angehen.“

Die nächste Regierung müsse sich Gedanken machen über eine neue Steuerpolitik. Maßvoll sollten die Steuerbelastung nach unten korrigiert und die sozialen Sicherungssysteme gesichert werden. Die älteren Menschen werden mehr; die Lebenserwartung steigt – darauf brauche man politische Antworten und Konzepte in der Rentenpolitik. Zur Zinspolitik direkt kam kein Wort. „Die EZB kann nicht mehr machen, zur EZB-Politik sage ich nichts.“ Jede Bank müsse ihre Bilanzen so klären, dass sie nachhaltig seien, so Schäuble.

In seiner Begrüßung hatte Verbandspräsident Michael Bockelmann deutlich gemacht: Volksbanken und Raiffeisenbanken stünden aus der Sicht des deutschen Mittelstandes für Ehrlichkeit, Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Sie müssten erhalten bleiben. Aber dazu bedürfe es der richtigen Rahmenbedingungen. „80 Prozent der Mitgliedsbanken gehen von keinen großen Veränderungen aus.“ Denn: Gerade die europäische Niedrigzinspolitik und der demografische Wandel lasten auf dem deutschen Sparer. Die Rahmenbedingungen für den Wirtschafts- und Finanzstandort Deutschland müssten gerade in der Zinspolitik geändert werden.

„Deutschland verändert sich“ war das Thema mit MdB Cem Özdemir (Grünen), Tania Kambouri, Polizistin, und Dirk Roßmann, Geschäftsführer Rossmann GmbH. Man diskutierte über Veränderungen in der Wirtschaft, der Politik und der Gesellschaft. Die Integration der Flüchtlinge und die damit verbundenen Probleme standen auch im Fokus. Kambouri berichtete über ihre Erfahrungen als Polizistin im Umgang mit den Flüchtlingen. Es sei schwierig, sich konkret zu äußern über mögliche „Übergriffe“. Kambouri hat ein Buch darüber geschrieben. „Wer die Uniform unseres Landes trägt, dem hat man auch den nötigen Respekt entgegenzubringen“, sagte Özdemir im Hinblick auf das Verhalten von Flüchtlingen in der Silvesternacht in Köln. Aber auch Uniformträger hätten Verpflichtungen, sagte Özdemir. „Sie dürfen nicht ‚Reichsbürger‘“ sein.

Ist Zuwanderung eine Bereicherung?, war die entscheidende Frage zur Aufnahme von Flüchtlingen. Unternehmer Rossmann dazu: „Wenn es zu viele sind, dann wird die Bereicherung zu einer Überforderung“. Kambouri, selbst Flüchtling, sagte: „Wir können nicht unendlich viel aufnehmen; die Gefahren werden größer. Wenn Flüchtlinge sich nicht an das System halten, dann können sie wieder nach Hause fahren.“ Özdemir war selbst Drohungen ausgesetzt, forderte aber keine Verschärfung des Strafrechts, sondern die bestehenden Gesetze anzuwenden. Ursachenbekämpfung der Flucht sei die vordergründige politische Aufgabe.

Die Nachmittagsrunde stand im Zeichen der Digitalisierung und Dr. Carsten Linnemann, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, zeigte Möglichkeiten der wirtschaftlichen Zukunft in Deutschland und Europa auf.