Die Volksbank-Verantwortlichen sehen sich für schwierige Zeiten gut gerüstet (von links): Volksbank-Chef Norbert Lautenschläger und Volksbank-Vorstand Alexander Schagerl. Foto: Kempf

Pressebericht aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 16.01.2016

Gute Geschäfte trotz schwieriger Zeiten
BILANZ Volksbank Lauterbach-Schlitz wächst weiter / Bilanzsumme erhöht sich auf 503 Millionen Euro

LAUTERBACH - (cke). „Wir gehören zu den Top-Banken in Hessen und brauchen auch bundesweit den Vergleich nicht scheuen“, zeigte sich Norbert Lautenschläger gestern selbstbewusst. Zusammen mit seinem Vorstandskollegen Alexander Schagerl zog der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Lauterbach-Schlitz bei der Bilanzpressekonferenz für das Jahr 2015 ein positives Resümee.

Bei der Bilanzsumme wurde erstmals die Fünf-Millionen-Grenze „gerissen“, wie Lautenschläger betonte. Sie erhöhte sich von 494 Millionen Euro im Jahr 2014 auf nun 503 Millionen Euro. Die Dividende soll sich nach dem Willen von Vorstand und Aufsichtsrat auf sechs Prozent belaufen. Der Gewinn liegt mit 1,2 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahresniveau. „Wir haben im vergangenen Jahr mit mehr Geschäften etwa das gleiche Ergebnis erzielt wie 2014“, sagte Lautenschläger.

Doch trotz positiver Zahlen wollten die beiden Banker die Situation, in der sich die Banken in der anhaltenden Niedrigzinszeit befinden, nicht schönreden: „Das dauerhaft niedrige Zinsniveau ist das Zukunftsthema für die Banken. Die Branche gerät zunehmend unter Druck“, sagte Schagerl und Lautenschläger prognostizierte, dass das Zinsniveau viele kleinere Volksbanken und Sparkassen – rund 25 Prozent – in ihrer Existenz bedrohen und auch zunehmend ein Problem für Unternehmen bei den Ruhestandsrücklagen darstellen werde. Nötig sei ein moderater Zinsanstieg. „Es muss sich bei der Europäischen Zentralbank dringend was ändern“, fand Lautenschläger klare Worte. Sein Haus werde weiterhin mit anderen Banken kooperieren und den „intensiven Austausch pflegen“, um erfolgreich zu agieren, eine Fusion, bei der alle Partner gewinnen müssten, sei aktuell kein Thema.

Einige „Highlights“ des vergangenen Jahres skizzierte Volksbank-Chef Lautenschläger, bevor er sich mit Schagerl der Geschäftsentwicklung widmete. Er erinnerte an Kundenveranstaltungen und Termine, bei denen die Volksbank ihre Verbundenheit mit den Menschen in der Region dokumentiert habe.

„Im November 2009 hat sich unsere Volksbank, als erste Bank in Deutschland, die Service- und Beratungsqualität im Privat- und im Firmenkundengeschäft durch den TÜV Rheinland zertifizieren lassen. Nach jährlichen Audits haben wir uns im September 2015 erneut einer Re-Zertifizierung unterzogen und wieder beide Zertifikate erhalten“, freute sich Lautenschläger.

Ende 2015 hatte die Volksbank 8696 Mitglieder mit einem Geschäftsguthaben von 3,3 Millionen Euro. Nachdem im vergangenen Jahr die Geschäftsstellen in Wallenrod und Landenhausen geschlossen wurden, betreibt die Volksbank noch neun stationäre Geschäftsstellen und eine SB-Stelle. Im August war die Geschäftsstelle in Angersbach am neuen Standort in der Lauterbacher Straße eröffnet worden. Weitere Filial-Schließungen seien aktuell keine geplant, sagte Lautenschläger. Dennoch: „Grundsätzlich stehen immer alle Geschäftsstellen auf dem Prüfstand. Letztendlich entscheiden die Kunden über den Erhalt durch ihre Nutzung.“

Garant des Erfolges der Volksbank sei auch „die gute Mannschaft“. Voll integriert seien die Auszubildenden, jährlich stelle die Volksbank drei bis vier ein, die sie als Fachkräfte für die Zukunft brauche. Berufsbegleitende Weiterbildungen seien nach Ausbildungsende für alle Mitarbeiter selbstverständlich und unverzichtbar, da der Qualität der Beratung zentrale Bedeutung zukomme. Ende 2015 waren insgesamt 99 Mitarbeiter beschäftigt, darunter neun Auszubildende.

Ein „neues Design“ hat die Online-Geschäftsstelle bekommen, die weiterentwickelt worden sei. Zum Jahresende wurden 6083 Konten (plus 5,77 Prozent) mit einem Anlagevolumen von rund 60 Millionen Euro (plus 4,94 Prozent) geführt. „Mit der Entwicklung dieses Vertriebskanals sind wir sehr zufrieden. Unsere Kunden schätzen unseren Multi-Kanal-Vertrieb sehr. Das schnelle Internet-Geschäft oder auch die kompetente, individuelle Beratung werden gerne in Anspruch genommen“, sagte Lautenschläger

Die Eigenkapitalausstattung der Bank sei weiterhin gut. Das bilanzielle Eigenkapital werde sich, unter der Annahme der Zustimmung der Vertreterversammlung zum Gewinnverwendungsvorschlag, auf voraussichtlich 55 Millionen Euro – unter Berücksichtigung des Fonds für allgemeine Bankrisiken – erhöhen. „Die Vorschriften der Bankenaufsicht zur Eigenkapitalausstattung der Banken werden uns weiter belasten. Die Stärkung des Eigenkapitals wird auch für unser Haus weiterhin ein Thema sein.“

Die Liquidität sei im Geschäftsjahr jederzeit gewährleistet gewesen. Die bankeigenen Anlagen betrugen zum Jahresende 290 Millionen Euro.

Auch mit der Entwicklung der Kundeneinlagen zeigten sich die Banker trotz schwieriger Wettbewerbssituation zufrieden, die auf 339 Millionen Euro anstiegen. Das Kreditvolumen hat sich um rund drei Prozent (von 189 Millionen Euro 2014) auf rund 196 Millionen Euro erhöht. „Das gewerbliche Kreditgeschäft verlief sehr positiv. Eine Kreditklemme hat es bei unserem Mittelstand nicht gegeben“, so das Fazit des Volksbank-Vorstandes.

Auch das private Kreditgeschäft, vornehmlich die privaten Baufinanzierungen, hätten erneut zugenommen. „Grund hierfür waren die weiterhin günstigen Marktkonditionen sowie vielfältige Vertriebsaktivitäten unserer Mitarbeiter.“ Insgesamt wurden im abgelaufenen Geschäftsjahr mehr als 630 Kreditanträge mit einem Volumen von 59,8 Millionen Euro bearbeitet. 599 Bausparverträge mit einer Summe von 15,8 Millionen Euro wurden zudem abgeschlossen.

„Auch im Versicherungsgeschäft können wir eine Zielerreichung vermelden. Mit unserem Wertpapiergeschäft sind wir zufrieden. Unser Investmentgeschäft mit unserem Kooperationspartner Union Investment hat sich positiv entwickelt“, sagte Schagerl und bilanzierte: „Trotz des äußerst niedrigen Zinsniveaus und weiter sinkender Margen im Kundengeschäft haben wir ein leicht steigendes Zinsergebnis erwirtschaften können.“

Mit einer „cost-income-ratio“ in Höhe von 49 Prozent „nehmen wir einen hervorragenden Platz in der Bankenbranche ein“, so Schagerl. Dies bedeute, dass die Volksbank 49 Cent aufwende, um einen Euro zu verdienen.

Trotz des schwierigen Marktumfelds blicken die Volksbank-Vorstände insgesamt positiv in die Zukunft: „Bei unseren Planungen für das Geschäftsjahr 2016 gehen wir von weiter wachsenden Marktanteilen aus. Sowohl im bilanziellen Geschäft, wie auch im Dienstleistungsgeschäft wollen wir Steigerungsraten erzielen.“ Die höchstmögliche Kundenorientierung stehe auch in diesem Jahr im Fokus des Handelns. Die Beratungsqualität sei durch neue technische Standards im vergangenen Jahr weiter verbessert worden.