140 Mitglieder waren der Einladung gefolgt
Polizeihauptkommissar Wolfgang Keller und Prokurist Werner Waldeck waren die Referenten

Pressebericht aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 24.11.2016

Aufklärung über Gaunereien aller Art

LAUTERBACH (alf). Tagtäglich gibt es Berichte über Straftaten, bei denen vor allem ältere Menschen durch skrupellose Rechtsbrecher hereingelegt werden und dabei oft viel Geld verlieren. Die Volksbank Lauterbach-Schlitz hat sich in einer Mitgliederversammlung im „Posthotel Johannesberg“ des Themas angenommen und konnte als sachkundigen Referenten den Pressesprecher der Polizeidirektion Vogelsberg, Hauptkommissar Wolfgang Keller, gewinnen. Er ist auch zuständig für die kriminalpolizeiliche Beratung. „Ich will Sie für das Thema sensibilisieren und keinesfalls Angst machen“, stellte er am Beginn seiner lebhaften und mit vielen aktuellen Beispielen gespickten Ausführungen fest.

Zum Thema „Betrüger an der Haustür“ gehören Schockanrufe, der bekannte Enkeltrick, Vortäuschung einer Notlage, der Glas-Wasser-Trick, das offizielle Auftreten angeblicher Behördenvertreter oder falscher Polizisten, die Benutzung des Telefons und der Baby-Wickel-Trick. Dabei versuchen der oder die Täter ins Haus zu kommen. Daher rät der Experte, Sicherungsketten an der Haustür anzubringen und durch lautes Rufen den Eindruck zu erwecken, dass man nicht allein im Haus ist. Oft wird auch der Zetteltrick angewendet, der als einziges Ziel hat, ins Haus zu kommen, wobei meist eine zweite Person im Spiel ist. So verlor eine Rentnerin in Bad Hersfeld 2014 2000 Euro.

„An der Haustür erscheinen auch Drücker-Kolonnen, Teppichhändler, sogenannte Dach-Haie, die das angeblich schadhafte Dach billig instandsetzen wollen oder auch Teerkolonnen, die billig den Hof teeren wollen“, führte Keller aus. Ein Video zeigte einige eindrucksvolle Tricks. Zu diesen Tricks gibt es eine Broschüre der Polizei mit dem Titel „Goldener Herbst“.

Ein weiteres Kapitel war „Trickdiebe am Auto“. Hier wollen die Täter eine Spende für Kinder haben und versuchen mit einem Zettel eine Ablenkung. Eine zweite Person greift dann die oft frei herumliegende Geldbörse. Keller rät in diesem Fall für ein gesundes Misstrauen.

Auch das Thema „Enkeltrick“ wurde mit einem Video verdeutlicht. Der Enkel wollte 12 000 Euro geliehen haben, das aber später eine andere Person abholen soll. „Hier gilt, Angaben überprüfen und Telefonnummer erfragen, um festzustellen, ob es sich tatsächlich um einen Angehörigen handelt“, riet Keller. So versuchte kürzlich in Mücke ein angeblicher Enkel für einen Wohnungskauf 10 000 Euro zu bekommen. Der Rentner war misstrauisch und informierte die Polizei.

In diese Kategorie gehört auch der Schockanruf: Unfall, krankes Kind und der „Mainova-Trick“, wo man als günstiger Stromanbieter auftritt. So versuchte kürzlich in Schotten ein Anrufer 16 000 Euro zu bekommen, Doch die Angerufenen gingen nicht auf die Forderung ein und wählten den Notruf.

Immer häufiger kommt es zu „Gewinnbenachrichtigungen“, die meist verbunden werden mit einer Vorauszahlung auf ein Konto im Ausland und persönlicher Abholung des angeblichen Gewinns. Kommt die Mitteilung über das Internet, dann keine Links anklicken. Am Telefon: am besten Hörer auflegen ohne jeden Kommentar. Auch hier lieferte Keller zwei Beispiele aus jüngster Zeit. Aus den Reihen der Zuhörer kamen diesbezüglich ebenfalls Beiträge und Erfahrungen.

Werner Waldeck, Prokurist der Volksbank, dankte dem Referenten und beide sangen am Ende ein passendes Lied zum Thema. „Das gute Gefühl, vorgesorgt zu haben“, war das anschließende Thema von Werner Waldeck. „Macht man sich zu viele Gedanken über dieses Thema, dann kann es leicht unübersichtlich werden. Aber es treten Fragen auf, ob die Einkünfte reichen, wo soll der Lebensmittelpunkt sein, sind Umbauten und Renovierungen nötig und kann man das bezahlen?“, führte Waldeck aus. Bei der Volksbank gebe es seit Jahren ein Beratungsteam, die sogenannte „Generationen-Beratung“. Dazu hat die Bank einen gesetzlichen Auftrag. „Der Service ist für die Kunden kostenfrei und hat mit dem Alter nichts zu tun“, stellte Waldeck fest. Er erläuterte die Rechtslage. Dazu gehören eine Risikoabsicherung, Ruhestandsplanung, altersgerechtes Wohnen, Vermögen verschenken, vererben oder anlegen. Waldeck riet, eine Liste aufzustellen und eine Reihenfolge festzulegen, wie man das Ganze umsetzen will. Die Beratungsqualität werde jährlich durch den TÜV Rheinland überprüft.

Mit dem Video „Unser Blick in die Region“ , wo bekannte Persönlichkeiten Empfehlungen zum Thema gaben, endete die Veranstaltung.