Bankvorstand Alexander Schagerl, Marketingleiterin Kerstin Novy und Vorstandschef Norbert Lautenschläger (von links) können auf eine gute Bilanz ihrer Bank verweisen. Foto: Rausch

Pressebericht aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 12.01.2018

"Wachsen, aber moderat"

Von Annika Rausch

BILANZ Volksbank Lauterbach-Schlitz will fünf Prozent Dividende bieten / Wunsch nach mehr Wirtschaftspolitik in der Kreisstadt

LAUTERBACH - Fünf Prozent Dividende für die Mitglieder - das wird der Vorstand der Volksbank Lauterbach-Schlitz der Vertreterversammlung zur Genehmigung vorschlagen. Ein gutes Ergebnis in Zeiten des die Banken immer noch quälenden Niedrigzinsniveaus. "Wir verdienen ein Stück mehr als andere Banken, daran sollen unsere Eigentümer partizipieren", erklärt Vorstandschef Norbert Lautenschläger in der jährlichen Bilanzpressekonferenz. Wie hat das die Volksbank angestellt?

"Wir haben gesehen, dass unser Kreditersatzgeschäft nicht mehr den gewünschten Gewinn erzielt", klärt Lautenschläger auf. Und da das Kreditgeschäft in der ländlichen Region ohnehin etwas schwieriger sei als in Ballungszentren habe die Volksbank mit befreundeten Genossenschaftsbanken - "wo das Kreditgeschäft besser läuft" - zusammengearbeitet und sich an Immobilienfinanzierungen beteiligt. "Wir haben die Kontakte, wir vertrauen uns, und die Bank vor Ort ist natürlich auch immer dabei", erklärt Lautenschläger weiter. Die Immobilen, an denen die Volksbank mit 22 Millionen beteiligt sei, reichten vom Mehrfamilienhaus bis zum Altenheim. Bankvorstand Alexander Schagerl ergänzt: "Wir arbeiten mit einem Gut, hinter dem kein Preis steckt", und spielt damit auf die Niedrigzinsen an. Da sei ein bloßes Verwalten des bisherigen Bestandes "ein Tod auf Raten". Deswegen seien neue Wege im Finanzwesen auf jeden Fall dringend angeraten.

Natürlich bleibe die Volksbank Lauterbach-Schlitz der Region trotzdem erhalten. Mit Stolz präsentierten die beiden Vorstandsmitglieder mit Unterstützung ihrer Marketingleiterin Kerstin Novy eine stattliche Bilanz an Aktivitäten in der und für die Region: Von Spendenübergaben, Kunstausstellungen über Betriebsjubiläen, Kundenveranstaltungen bis hin zu Aktionen für Jugendliche war die Palette breit gefächert. "Wir sehen uns als Spiegelbild der Region und machen eine ganze Menge", so Lautenschläger. Auffällig im Gesamtüberblick waren dabei auch viele Fortbildungen. "Wir bieten einen breiten Strauß der Möglichkeiten der Weiterbildung an", betont Lautenschläger. Daher gebe es unter den Mitarbeitern der Bank keinen, der nicht in den vergangenen fünf Jahren eine Fortbildung genossen hätte. "Denn wir unterstützen das sehr."

Mit 39 000 Euro unterstützte die Volksbank im Jahr 2017 auch insgesamt 132 Vereine in der Region: "Keine andere Bank spendet mehr in der Region", fügen die beiden Vorstandsmitglieder hinzu.

2017 durfte sich die Volksbank als "Beste Bank vor Ort" bezeichnen - eine Auszeichnung der Gesellschaft für Qualitätsprüfung mbH Seefeld. "Wir hoffen, dies auch dieses Jahr zu schaffen", verrät Lautenschläger schon mal vorab. "Wir wissen nicht, wer uns prüft oder wann. Aber wir sind vorbereitet."

Im Onlinegeschäft verzeichne die Volksbank stetigen Zuwachs. Wobei die Bankchefs darauf hinwiesen, dass abseits vom Onlinebanking noch viele andere Geschäftsfelder zur Bank gehörten und der Kunde alle Möglichkeiten habe, sich persönlich vor Ort beraten zu lassen und nicht - wie bei Online-Direktbanken - nur über eine Servicehotline.

Die Bilanzsumme der Volksbank hat sich erhöht: von 536 Millionen Euro auf 569 Millionen. Auch das Kreditvolumen habe sich auf 254 Millionen (im Vorjahr 214 Millionen Euro) erhöht. Das Eigenkapital der Bank betrage 70 Millionen Euro. Die Branche sei also im Wachstum, vor allem im Bau- und im gewerblichen Bereich. Im abgelaufenen Geschäftsjahr wurden 640 Kreditanträge mit einem Volumen von 92 Millionen Euro bearbeitet. 8906 Mitglieder hielten als Anteilseigner ein Geschäftsguthaben in Höhe von sieben Millionen Euro. Auch die Bereiche "Versicherung" und "Wertpapiergeschäft" liefen gut und verzeichneten Steigerungen.

"Das niedrige Zinsniveau wird seit mehreren Jahren diskutiert", meinte Alexander Schagerl zum Ausblick auf das Jahr 2018. "Im Prinzip ist unserer Ware der Preis abhanden gekommen. Und es muss irgendwann etwas passieren, denn sonst wird diese Phase Schaden hervorrufen." Im Punkt "Regulatorik" erhoffe er sich, dass die angekündigten Erleichterungen für kleine und mittlere Banken nun umgesetzt würden. Entlastung sei in diesem Bereich das dringendste Gebot. "Wir wollen wachsen, aber moderat", ergänzte Norbert Lautenschläger. Die Volksbank Lauterbach-Schlitz verzeichne bereits "viel mehr Zulauf als Abgänge".

Gerne würde die Volksbank - so wie sie es bereits beim Lauterbacher Studienzentrum getan habe - in weitere Projekte in der Region investieren. "Die Kreisstadt könnte mehr nach vorne gehen", kritisiert Norbert Lautenschläger. In Lauterbach sei in der Vergangenheit sehr auf "Abschottungspolitik" gesetzt worden. Stattdessen würde mehr Wirtschaftspolitik und -förderung der Stadt gut anstehen. Auch für den Kreis, bei dem er persönlich mehr Bewegung sehe, gelte, "dass wir sagen wollen: Wir gehen da mit, genau wie bei der Hochschule."

Termine

Die nächste Mitgliederversammlung der Volksbank Lauterbach-Schlitz ist für Mittwoch, 21. Februar, um 19 Uhr im Wartenberg Oval geplant. Sprechen wird Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir. Durch die Veranstaltung wird Wolf Mihm (ehemals Wolf & Bleuel) führen. Die Vertreterversammlung wird am 9. Mai ebenfalls im Oval durchgeführt.