Die etwa 60 Personen starke Gruppe aus dem Geschäftsgebiet der Volksbank Lauterbach-Schlitz, die am Wirtschaftstag in der Jahrhunderthalle Frankfurt-Höchst teilnahm.

Pressebericht aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 08.11.2014

"Wertvolle Blicke über den Tellerrand“

Unternehmer aus dem Vogelsberg beim Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt

Unter dem Stichwort „Wachstum, Werte, Weltmarkt – Leistungsträger Mittelstand“ stand in diesem Jahr der Wirtschaftstag der Volks- und Raiffeisenbanken in Frankfurt/Main. Mehr als 2500 Teilnehmer aus Regionalverbänden aus Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen – darunter auch 60 Personen aus dem Geschäftsgebiet der Volksbank Lauterbach-Schlitz – erlebten Vorträge hochkarätiger Politiker und Wirtschaftsführer, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hielten.

Verbandspräsident Michael Bockelmann stellte bei seiner Begrüßung fest, dass der Wirtschaftstag auch ein Seismograf für die aktuellen ökonomischen Perspektiven sei. Im ersten Halbjahr 2014 habe die deutsche Wirtschaft geboomt, die Steuereinahmen seien gesprudelt. Doch dann sei plötzlich die Stimmung gekippt, die Wachstumsprognosen hätten nach unten korrigiert werden müssen. Bockelmann zitierte aus einer Umfrage unter Bankfachleuten, wo Pessimismus und Skepsis überwiegen. Impulse für mehr wirtschaftliche Dynamik könnten und müssten vor allem die mittelständischen Unternehmen leisten.

Nach Ansicht von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel „sind zu geringe Investitionen in die Infrastruktur und eine zu geringe Nettoinvestitionsquote in den Betrieben zwei Riesenprobleme in Deutschland“. Deshalb sei das angekündigte Zehn-Milliarden-Investitions-Programm eine gute Sache, ohne die „schwarze Null“ zu gefährden. „Investitionen in Europa und in den Euro sind auch Investitionen in die Zukunft Deutschlands“, stellte Gabriel fest. Die Volks- und Raiffeisenbanken bezeichnete er als „zentrale Pfeiler“ in der Krise der vergangenen Jahre. „Streik ist das letzte Mittel“, bemerkte er zum gegenwärtigen Ausstand der Lokführer. Hier gehe es um eine Macht-Demonstration, und er sehe keinen verantwortlichen Umgang seitens der Gewerkschaftsspitze.

„Ich bin noch nie so optimistisch aus Brüssel zurückgekehrt“, sagte Dr. Tom Enders, CEO der Airbus Group. Anlass sei der derzeitige Auftragsbestand von 6000 Flugzeugen. Vom Wachstum seines Unternehmens profitieren allein in Deutschland 17 000 mittelständische Unternehmen. Ein wichtiges Thema bleibe die Reduzierung von Fluglärm und Emissionen.

In seinen Denkanstößen kritisierte Martin Schulz, Präsident des Europäischen Parlaments, den britischen Premierminister Cameron als „Staatsschauspieler“, der in Brüssel stets nur mit Blick auf das heimische Publikum auftrete und damit sein Land aus der EU herausführe. „Die Stärke Europas aber ist seine Einheit und nicht die Zwietracht“, erklärte Schulz.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, kritisierte scharf den Streik der Lokführer. Das Verhalten der Gewerkschaft GDL und ihres Vorsitzenden sei „fern jeder Verantwortung und unangemessen“. Er plädierte nachdrücklich für das Prinzip „Ein Betrieb – ein Tarifvertrag“.

Nach Ansicht des Handwerkspräsidenten Hans Peter Wollseifer müsse das soziale Netzwerk in Deutschland neu gespannt werden. Generationenverantwortung, Demographie und Globalisierung machten diese Neuorientierung notwendig. Er warnte davor, die Leistungsträger in der Gesellschaft immer stärker zu belasten.

Der frühere hessische Regierungschef und ehemalige Vorsitzende von Bilfinger SE, Roland Koch, gab einige persönliche Einblicke und stellte fest, dass es viele Parallelen zwischen Politik und Wirtschaft gebe und erhielt für seine schlagfertigen Antworten auf die Fragen der beiden Moderatoren Sandra Maischberger und Udo van Kampen Szenenapplaus.

Für den Inhaber der Lauterbacher Hirsch-Apotheke, Matthias Molitor, war es der erste Wirtschaftstag, an dem er teilnahm. Die Veranstaltung sei großartig und hoch interessant gewesen. Vor allem die Politiker Gabriel und Schulz, aber auch DGB-Chef Hoffmann hätten Klartext geredet. „Für mich war der Blick über den Tellerrand wertvoll. Sehr gut hat mir auch Verbandspräsident Bockelmann mit seinen ehrlichen Aussagen gefallen“, so Molitor.

Jürgen Hanitsch, Geschäftsführer von Euronics XXL, zeigte sich vom Wirtschaftstag begeistert mit seinen relativ starken und ehrlichen Einblicken in die jeweiligen Verantwortungsbereiche. Auch die Aussagen von Minister Gabriel und des EU-Präsidenten Schulz zur aktuellen Tagespolitik seien bei ihm gut angekommen – darunter besonders die Bemerkung „Man kann die Kuh nicht melken, die man schlachten will“. Auch die offenen Worte des DGB-Vorsitzenden Hoffmann hätten viele gute Ansichten enthalten, mit denen Hanitsch übereinstimmt. Den Auftritt des früheren hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch schließlich fand Hanitsch „mutig, offen und direkt“, die begleitende Moderation von Sandra Maischberger und Udo van Kampen bezeichnete er als „sensationell und unterhaltsam zugleich“.