Die Volksbank-Vorstände Norbert Lautenschläger und Alexander Schagerl stellten zu Beginn des Abends die Aktivitäten sowie die Zahlen des Geschäftsjahres 2013 vor.
Ca. 900 Mitglieder hatten sich zu der Mitgliederversammlung im Wartenberg Oval angemeldet.
Kirchenpräsident Dr. Volker Jung sprach über "Kirche, Wirtschaft, Geld".
Als Dank für seinen Vortrag überreichten die Volksbank-Vorstände Dr. Jung als "Gruß aus der Heimat" einen Präsentkorb.
Mit A-capella-Gesang gaben die "Jazz hat's" der Versammlung einen gelungenen Abschluss.

Pressetext aus dem Lauterbacher Anzeiger vom 13.02.2014

„Soziale Marktwirtschaft weiterentwickeln“

900 Besucher bei Mitgliederversammlung im Oval / Kirchenpräsident Dr. Volker Jung sprach über „Kirche, Wirtschaft, Geld“

„Die soziale Marktwirtschaft ist ein anspruchsvolles Konzept, in individueller und kollektiver Hinsicht, das seine Zukunft noch vor sich hat und für das es sich zu engagieren lohnt“, stellte Dr. Volker Jung in der Mitgliederversammlung der Volksbank Lauterbach-Schlitz fest. Der Präsident der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) war als Festredner der Volksbank-Mitgliederversammlung geladen, dessen Vortrag zu „Kirche, Wirtschaft, Geld“ im Mittelpunkt der Veranstaltung im Wartenberg Oval stand, zu der 900 Mitglieder gekommen waren.

Das Thema „Kirche und Geld“ ist laut Kirchenpräsident Dr. Volker Jung derzeit auch wegen der Bauprojekte des Limburger Bischofs sehr aktuell. Wegen dessen Finanzgebaren seien auch Protestanten aus der Kirche ausgetreten. Darüber hinaus sei das Gesamtsystem der Kirchenfinanzierung mit Kirchensteuer und Staatsleistungen auf dem Prüfstand. Jung sprach auch von einer Debatte, wie die Kirche grundsätzlich zur Wirtschaft stehe. Er erwähnte, dass von Jesus die Forderung ausgehe, sich ganz an die Seite der Armen und Notleidenden zu stellen und fragte, wie man das am besten tue. Indem man selbst arm sei, oder gehe es auch so, dass man das anvertraute Geld einsetze, um für die Menschen da zu sein. Die Kirchen seien überwiegend diesen Weg gegangen. „Wir brauchen Geld, um es für andere einzusetzen“, stellte er fest.

Die soziale Marktwirtschaft sei die Wirtschaftsordnung, die die Anliegen der evangelischen Ethik am besten aufnehme. Sie verknüpfe liberale, ordnungspolitische und sozialstaatliche Motive. Ihr Ausgangs- und Zielpunkt sei die Sicherung der individuellen Freiheit. Nach dem christlichen Verständnis sollten alle Menschen zumindest die Chance haben, ihr Leben zu leben und gemäß ihren Bedürfnissen und auch ihrer Leistungen an dem teilzuhaben, was uns diese Welt gebe und erwirtschafte. Der Kirchenpräsident ist der Überzeugung, „Wir können unsere soziale Marktwirtschaft nicht mehr in die Zukunft retten, wenn wir nur auf unsere Volkswirtschaft schauen. Wenn wir unsere soziale Marktwirtschaft bewahren wollen, dann müssen wir sie weiter entwickeln und zwar in dreifacher Hinsicht: global, sozial und ökologisch“.

Zur Bewahrung und Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft stellte Jung fest, dass die Globalisierung und offenen Märkte ärmeren Ländern die Möglichkeit eröffne, von Investitionen ausländischer Unternehmen zu profitieren, offene Märkte zu nutzen und ihr Sozial- und Wohlstandsniveau zu verbessern. In der Globalisierung müsse es das Ziel sein, die Leitlinien der sozialen Marktwirtschaft Schritt für Schritt weltweit tragfähig zu machen und damit eine gerechte Teilhabe zu ermöglichen. Überlegungen in Richtung eines qualitativen Wachstumsbegriffes müsse man weiter entwickeln und politisches Handeln daran orientieren. Ungebremstes Wachstum, das aus den Fugen gerate, nutze uns nichts. Soziale Ausgrenzung müsse die Gesellschaft im ureigensten Interesse vermeiden. Von Ausgrenzung Bedrohten müsse geholfen werden. Die Regierung müsse sich weiterhin in den internationalen Gremien dafür einsetzen, dass die sozialen Grundprinzipien unseres Wirtschaftssystems weltweit zur Achtung kämen, dass Armut bekämpft werde, öffentliche Gesundheitssysteme entstünden und Mindeststandards des internationalen Arbeitsrechts eingehalten würden. Soziale Marktwirtschaft habe es verdient, sozial weiterentwickelt zu werden, damit der soziale Frieden gewahrt werde.

Die Kirche sage Ja zur sozialen Marktwirtschaft, betonte der Kirchenpräsident. Wir müssten sie weiterentwickeln, wenn wir sie bewahren wollten. Es gehe dabei darum, sich wichtigen Lebens- und Überlebensfragen zu stellen, um der Menschen willen, für die die Wirtschaft da sei.

Im letzten Teil seines Vortrags ging Dr. Jung auf die Konsequenzen für die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau ein. Das ist eine „Organisation mit 23000 hauptamtlichen und 68000 ehrenamtlichen Mitarbeitern, mit über 4000 Gebäuden und einem Haushaltsvolumen von einer halben Milliarde Euro“. Der Referent sprach von Transparenz und einem System der Kontrolle. Als Organisation müsse sie ihren „Beitrag leisten, die soziale Marktwirtschaft gemäß unseren Werten global, sozial und ökologisch weiterzuentwickeln“. Jung verwies auf konservative Kriterien bei der Vermögensanlage und dem Wunsch, schon als Anleger zur sozialen und ökologischen Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft beizutragen. Man achte auf Klimaschutz und „fair trade“. Zur sozialen Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft wolle die Kirche die Familien stärken.

Es sprach von einem Diskussionsprozess in Sachen Zuwanderungsgesellschaft und der interkulturellen Öffnung der Kirche für die Mitarbeit Menschen anderen Glaubens. Angesichts des demografischen Wandels seien Anpassungen nötig. Die Kirche wolle sich nicht aus der Fläche zurückziehen, sie wolle sich mit dafür einsetzen, dass Menschen gerne in der Stadt und auf dem Land lebten. Neben diesen konkreten Punkten „versuchen wir uns, in die öffentliche Diskussion um die Zukunft unseres wirtschaftlichen, sozialen und politischen Systems einzubringen, weil wir uns als Kirche als Teil der Gesellschaft begreifen und wir es als unseren Auftrag sehen, diese Gesellschaft mit zu gestalten“, sagte der Referent.

Zu Beginn des Abends hatten die Volksbank-Vorstände Norbert Lautenschläger und Alexander Schagerl zunächst das „Volksbank-Jahr 2013“ mit vielen Aktivitäten und Sachen Ausbildung, Kundeninformation, Ausstellungen, Baumaßnahmen in Engelrod, Herbstein und Lauterbach Revue passieren lassen. Sie erwähnten das Gewinnsparen, die Reise nach Südengland, die Auszeichnung für erfolgreiches Förderkreditgeschäft, sportliche Aktivitäten und die finanzielle Unterstützung von 118 Vereinen. (der LA berichtete). Die Bilanzsumme der Volksbank betrug 2013 434 Millionen Euro. Die bilanzwirksamen Kundeneinlagen beliefen sich auf 304 Millionen Euro, betreut wurden Kundenanlagen in Höhe von 478 Millionen Euro. Das Ergebnis 2013: vorderer Platz innerhalb des Genossenschaftsverbands, geordnete Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage sowie Stärkung des Eigenkapitals. Der Vertreterversammlung wurde die Ausschüttung einer Dividende von sechs Prozent vorgeschlagen.

In den Beirat gewählt wurden Stefan Kunst, Holger Marx, Arnim Ortmann, Renate Betz, Norbert Dietz, Thomas Schäfer, Hans Bernhardt, Nicole Gerbig-Wuttig, Jürgen Stullich, Daniela Unger, Willi Boss, Manfred Ruhl, Frank Schaub, Karl Josef Michel, Herbert Lang, Edeltraud Greff, Kurt Greb, Bernd Wahl, Heiko Wahl, Gerhard Schmelz, Thomas Maul und Willi Hofmann.

Honorar bekam der Redner für seinen Vortag nicht. Die Volksbank will Jungs Bitte auf Unterstützung der Lauterbacher Tafel gerne nachkommen. Mit a-capella-Gesang gaben die „Jazz hat´s“ der Versammlung einen gelungenen Abschluss.